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n.reisinger

Hanf trifft Kalk: was in Wangelin entstanden ist

Einblicke in das geförderte Projekt «Hanf trifft Kalk», im Rahmen dessen eine Weiterbildung entwickelt wurde.
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Kurzer Anrisstext

Seit dem Sommer 2025 haben wir an unserem Denklabor Bauwende mit einem Dämmverfahren gearbeitet, das in Deutschland bislang viel zu wenig zu sehen ist: Die Hanfkalk-Spritzdämmung. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus Hanffasern und Kalk und wird mit einer Spritzanlage direkt auf eine Unterkonstruktion aufgetragen. Es bindet CO₂, reguliert Feuchte, hemmt Schimmel und lässt sich vollständig zurückbauen. In Frankreich und Großbritannien ist die Technik seit Jahren etabliert, hier kennt sie fast niemand. Aber das wollen wir u.a. mit diesem Projekt ändern.

Jetzt schließen wir das Vorhaben ab. Was dabei entstanden ist, dokumentieren wir hier.

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Der Giebel, August 2025

Den Anfang machte die Außenwand. Über zwei Tage haben wir den sanierten Giebel eines unserer Gebäude auf dem Gelände der europäischen Bildungsstätte für Lehmbau mit Hanf-Kalk gedämmt und das gesamte Unterfangen dabei gefilmt und fotografiert, ohne Kursbetrieb, damit genug Ruhe für die Dokumentation blieb. Die Baustelle war allerdings offen zugänglich. Wer in dem beiden Tagen vorbeikam, konnte zusehen und Fragen stellen. Das wurde gerne angenommen und einige ZuschauerInnen sind lange geblieben und haben viele Fragen gestellt. Erste Berührungspunkte also zwischen Menschen aus der Region und dem besonderen Dämmverfahren.

Aus diesen zwei Tagen stammt u.a. das Bildmaterial, mit dem wir seitdem arbeiten: Aufnahmen vom Mischen, vom Spritzvorgang, vom Abziehen der Oberfläche.

 

Der Infoabend und der Pilotkurs, Juni 2026

Am 10. Juni haben wir zu einem offenen Abend über Hanfkalk eingeladen: Material, Bauphysik, Einsatzbereiche, und viele Fragen aus dem Publikum. Der Vortrag fans regen Anklang in der regionalen Presse und lockte auch einige Besucher:innen nach Wangelin. Der Hanfkalk Spezialist Henrik Pauly war hier unser Vortragender.

Der Pilotkurs folgte am nächsten Tag: am 12. und 13. Juni 2026 wurde das Hanfkalk Spritzverfahren erstmals in Deutschland innerhalb eines Kurses gelehrt. Nach einer Einführung in grundsätzliche bauphysikalische Eigenschaften von Kalk und Hanf sowie Beispiele von Hanfkalk-Anwendungen ging es in die Praxis: Die Teilnehmenden durften selbst spritzen. Für Ihre Übung standen die Flächen der Innenwand des Giebels sowie zwei Testflächen an den äußeren Seitenwänden zur Verfügung. Unser Fachreferent Henrik Pauly hat den zweitägigen Pilotkurs geleitet, elf Teilnehmende, davon über 50% weiblich, haben rund sechs Quadratmeter selbst gespritzt. Die Gruppe war bewusst klein gehalten denn an einer Wand dieser Größe mit größerer Gruppe zu arbeiten wäre sowohl sicherheitstechnisch als auch didaktisch problematisch gewesen. 

Gearbeitet wurde im Stationenmodell mit Gruppenwechsel, mit fachlicher Einführung am Anfang und einer gemeinsamen Auswertung am Ende.

 

Urban Utopia, Juli 2026

Am 9. Juli haben wir das Projekt auf der Konferenz Urban Utopia in Berlin vorgestellt: das Verfahren, die Erfahrungen aus der Lehrbaustelle und die Frage, wie ein Material aus der Landwirtschaft in die Sanierungspraxis kommt. Viele Zuhörer:innen kannten Hanf als Baustoff - dass es aber auch eine Spritztechnik aus dem Verbundbaustoff Hanf und Kalk gibt, wussten viele nicht. Nicht zu reden von den vielen Vorzügen dieser ökologischen Dämmweise. Interessierte Nachfragen und Gespräche nach dem Vortrag bestätigten dies.

 

Europäischer Lehmbautag, Juli 2026

Beim Lehmbautag 2024 hatten wir die Spritztechnik zum ersten Mal öffentlich besprochen. Die Nachfrage danach war der eigentliche Auslöser für dieses Projekt. In diesem Jahr stand der fertige Giebel als Station der Geländeführung da, und statt über ein Verfahren zu sprechen, konnten wir auf eine Wand zeigen. Viele der Besucher:Innen zeigten sich begeistert.

 

Das Weiterbildungsmodul

Aus der Baustelle und dem Pilotkurs ist ein Kursmodul geworden, das aus drei Teilen besteht.

Baupraxis. Teilnehmende arbeiten mit drei Techniken: Mauern, Stampfen und Spritzen. Die Spritztechnik ist das gängige Verfahren, die beiden anderen decken Anwendungen ab, für die sich eine Anlage nicht lohnt.

Material und Bauphysik. Was passiert, wenn Kalk auf Hanfschäben trifft, und warum die Wahl des Kalks über Verarbeitung, Trocknung und Festigkeitsaufbau entscheidet. Wer aus dem Mauerwerksbau kommt und mit Kalk- oder Kalkzementmörtel vertraut ist, findet hier den Anschluss. Dazu die bauphysikalischen Eigenschaften: Dämmverhalten, Feuchteregulierung, und der sommerliche Wärmeschutz. Bei einer Phasenverschiebung von zehn bis vierzehn Stunden kommt die Tageshitze erst an, wenn die Nacht sie wieder abführt. Das wird mit jedem Sommer wichtiger.

Einordnung. Wo Hanf-Kalk anderen Baustoffen überlegen ist, vor allem zementgebundenen, und wo seine Grenzen liegen. Die wichtigste: Hanf-Kalk-Wände tragen wenig. In der Regel braucht es eine Tragkonstruktion, meist Holzrahmenbau oder integrierte Betonstützen. Wer das Material einsetzen will, sollte das von Anfang an mitdenken.

Das Modul geht in unser reguläres Kursprogramm über. Wer daran teilnimmt, kann sich das mit einem Zertifikat der Bildungsstätte bestätigen lassen.

Zum Mitnehmen

Alles, was im Projekt entstanden ist, steht hier zum Download. Die Materialien dürfen für die eigene Aus- und Weiterbildung genutzt und weitergegeben werden.

Skript I: Grundlagen des Hanfkalk (PDF, 8 Seiten)
Grundsätzliches zu unterschiedlichen Kalkarten, Hanf und Hanfschäben und den drei Techniken rund um Hanfkalk.

Datei
Hanfkalk_Grundlagen (459.66 KB)

 

Skript II: Das Spritzverfahren mit Hanfkalk (PDF, 14 Seiten)
Vom Einrichten der Baustelle über das Mischen bis zum Nacharbeiten, mit Fotos von der Baustelle in Wangelin. Das Lehr- und Lernmaterial, mit dem wir in den Kursen arbeiten.

 

Projektdokumentation Hanf trifft Kalk (PDF, 7 Seiten)
Was wir gemacht haben, was dabei herausgekommen ist und was wir daraus gelernt haben.

 

Der Film

https://vimeo.com/1231449644

Rund 7 Minuten von beiden Baustellen: mischen, spritzen, abziehen, außen am Giebel und innen im Kurs.
→ Auf Vimeo ansehen: https://vimeo.com/1231449644

 

Wie es weitergeht

Kalk, im speziellen Hanfkalk, soll neben Lehm ein eigener Schwerpunkt unserer Bildungsarbeit werden. Das Modul zur Spritzdämmung ist der Anfang. Weitere Kalktechniken und Anwendungen mit nachwachsenden Rohstoffen sind in Vorbereitung.

Wer Interesse an einem Kurs hat oder das Verfahren am eigenen Gebäude einsetzen möchte, schreibt uns gern: anfrage [at] lernpunktlehm.de

 

Die Lehrbaustelle zur Hanf-Kalk-Spritzdämmung wurde gefördert durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung aus Erträgen der Lotterie BINGO! Die Umweltlotterie. 

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Die Entwicklung des Weiterbildungsmoduls wurde im Rahmen einer Strukturentwicklungsmaßnahme des Landes Mecklenburg-Vorpommern gefördert und von der Europäischen Union kofinanziert.

 

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Kofinanziert von der Europäischen Union

Die Sanierung des Giebels wurde über das Programm ILERL MV gefördert.