Die zweite Etappe der "Formation Nomade" zu Lehmputzen führte vergangene Woche in die Europäische Bildungsstätte für Lehmbau. Geleitet von Irmela Fromme und organisiert von Les Grands Ateliers, widmeten sich die internationalen Teilnehmenden Lehmputzmischungen aller Couleur und einer fachgerechten Instandsetzung der Wangeliner Bushaltestelle.
Der Juni steht in Wangelin im Zeichen internationaler Lehmbaukultur. Nach dem Besuch von Benito Steen / USA in der ersten Monatshälfte machte nun die „Formation Nomade" von Les Grands Ateliers Station in Mecklenburg – mit 7 Teilnehmenden aus Frankreich, Japan und Deutschland. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit den vielfältigen Möglichkeiten, Innenräume mit farbigen Lehmputzen zu gestalten.
Grundlage des gesamten Ausbildungsgangs sind Unterrichtseinheiten, die in verschiedenen Projekten ab 2002 mit zahlreichen europäischen Partnern ausgearbeitet wurden. Auf diesen basiert ebenfalls der in der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau durchgeführte Lehrgang „Gestalter:in für Lehmputze (HWK)“. Das Besondere der „Nomadischen Ausbildungsreihe“: die Teilnehmenden fahren zu den Orten in Frankreich, Deutschland und Italien, in denen ihre Dozent:innen leben und/oder arbeiten. Erste Etappe war in der Nähe von Montpellier, die zweite fand in Wangelin statt. Organisiert wird alles von den Grands Ateliers – einem Ort für experimentelle Lehre in Architektur, Kunst und Design in der Nähe von Lyon – unter der Koordination von Louise Lemoine.
In Wangelin unterrichtete die erfahrene und geschätzte Lehmputz-Gestalterin Irmela Fromme. Ihre jahrzehntelange Erfahrung und das umsichtige Eingehen auf die Kursteilnehmenden prägte die Kurswoche maßgeblich.
Die Teilnehmenden erforschten die Farbigkeit selbst hergestellter Lehmputzmischungen unterschiedlichster Zusammensetzung, dokumentierten ihre Ergebnisse auf Probeplatten und führten eine fachgerechte Instandsetzung der Gefache der Bushaltestelle in Wangelin durch – eine öffentlich sichtbare farbenfrohe Anwendung ihrer neu vertieften Fertigkeiten.
Die praktischen Übungen wurden mit theoretischen Grundlagen zur Farb- und Raumgestaltung verknüpft. Und so realisierten die Teilnehmenden zum Abschluss farbige Musterwände für ein Raumkonzept.
Die Dozentin der ersten Etappe Sylvie Wheeler war mit von der Partie. Sie kam als ‚alte Bekannte‘, hat sie doch - ebenso wie Irmela Fromme - bereits an den europäischen Projekten mitgearbeitet. 2007 hat sie eine Ausstellung im Lehmmuseum Gnevsdorf über Lehmbauten in Ladakh ausgerichtet. Sie unterstützte die Projektarbeit im Kurs, gab vielfach Tipps und führte am letzten Tag die obligatorische theoretische Prüfung durch.
Die Atmosphäre war geprägt von interkulturellem Austausch, konzentrierter Praxis und Neugier auf regionale Lehmbau- und Lebensweisen. Am Donnerstagabend wurde der Lehmbackofen angeheizt und alle schlemmten wie Göttinnen in Frankreich.
Für uns war es eine Freude, Gastgeber:innen dieser besonderen Lernetappe zu sein – und ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg, als Europäische Bildungsstätte ein Zentrum für internationale Lehmbau-Begegnungen zu bilden.
Ähnliche Kurse an der Bildungsstätte HIER.
Fotos: Louise Lemoine und Sandra Schattschneider
